Penelope coniunx semper Ulixis ero

„Als Penelope werde ich immer die Gattin des Odysseus sein“, schrieb der Frauen-Versteher Ovid noch zu Lebzeiten von Jesus Christus in der Maske des mythischen Vor- und Urbilds der beharrlich Ausharrenden, um nicht zu sagen: der eisern Wartenden. „Liebe ist eine Angelegenheit der Sorge und der Angst“, lässt er Penelope an den von ihr wiederholt saumselig Genannten schreiben. Und lässt für seine realen Leser im fingierten Brief der mythologisch verbürgten Verfasserin den Kampf um Troja, im Brief auch Ilion genannt, in prominenten Szenen Revue passieren.

Denn obschon sie von ihrem Mann selbst seit dessen Abreise aus Ithaka keine Nachricht mehr erhalten hatte, war die Witwe, die keine war, durch die Berichte anderer, also aus zweiter Hand und drittem Mund, auf dem Laufenden gehalten worden: „Aber was nützt es mir, dass Ilion durch euch zerstört wurde, und dass seine Mauern nun dem Erdboden gleichgemacht sind, wenn ich immer noch warte, wie ich schon wartete, als Troja noch standhielt, und mein Mann in der Ferne bleibt, so dass ich ihn nachhaltig entbehren muss“?

Da wäre es doch beinahe besser, schreibt Penelope, wenn der Krieg noch andauern würde: „Dann wüsste ich, wo du dich mit wem schlägst und fürchtete nur den Ausgang der Kämpfe.“ Also lieber um sein Leben bangen, als nicht wissen, wo er sich herumtreibt. Testosteron gesteuert, wie die Männer sind, werde er womöglich von einer Affäre in der Fremde an die Fremde gefesselt sein, mutmaßt Penelope vor allem deshalb, weil Ovid wusste, dass sie damit vollkommen richtig lag. Hinter Ovid dem Frauen-Versteher wird Ovid der Männer-Experte erkennbar, der noch dazu mythologisch informiert gewesen ist.

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