Ein irischer Mythos

Hätten die alte oder uralten Griechen schon das Kartenspiel gekannt, wäre uns wahrscheinlich ein Mythos überliefert worden, bei dem es darum gehen würde, dass ein Götter-Trio, sagen wir: Zeus, Poseidon und Hermes, beim Kartenspiel sitzt und plötzlich, aus welchen Gründen auch immer, aus dem Stapel Karten ein Hase, gefolgt von einem Jagdhund, hervorspringt, wobei der Hase einer zu sein hätte, den kein Jagdhund erjagen und der Jagdhund einer wäre, dem kein Hase entwischen kann – wir kennen das Dilemma aus einer anderen, tatsächlich tradierten Geschichte. Wegen der zivilisations- und kulturhistorischen Entwicklung der Spiele-Hardware war es aber erst dem irischen Schriftsteller W. B. Yeats vergönnt, die Geschichte vom Hasen und dem Hund zu notieren und in einem Sammelband mit dem Titel Mythologies zu veröffentlichen. Aber kann man eine von einem kauzig-exzentrischen, in Armut dahinvegetierenden irischen Häusler gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts erzählte Geschichte einen Mythos nennen? Wenn es für Yeats Mythen waren, warum nicht auch für uns.

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