Der Jäger Orion – ein Götter-Cocktail der besonderen Art

Man muss sich das vorstellen: Drei Götter haben sich in Form eines gleichseitigen, man könnte auch sagen: sechsschenkligen Dreiecks aufgestellt und pinkeln auf eine Stier-Haut. Oder, noch grotesker, sie schlagen nicht ihr Wasser, sondern ihren ambrosischen Samen darauf ab. Natürlich ist Zeus mit von der Partie, ebenso sein immer zu Späßen aufgelegter Sohn Hermes. Aber auch Poseidon (was eher für die Variante mit dem Wasserlassen spricht), der Bruder von Zeus und Onkel von Hermes, trägt sein Teil dazu herbei.

Und warum und wozu das Ganze? Um auf diese Weise ein Misch- oder Mixtur-Wesen zu synthetisieren, das neun Monate später aus Mutter Erde und der in ihr vergrabenen Stier-Decke und Ersatz-Plazenta hervorbricht. Und in erstaunlicher Geschwindigkeit zum großformatigen Jäger Orion heranwächst. Nur ein weiterer Schuss aus Zeus‘ Pistole soll verhindert haben, dass der hypertrophierende zweibeinige Cocktail mit dem Kopf ans Himmelsgewölbe gestoßen ist. Damit ist offenbar zu rechnen, wenn drei Götter in Erinnerung an ihre jugendlich wilden Jahre gemeinsam urinieren oder masturbieren oder womöglich sogar beides.

Wie es mit Orion (als Jäger ein primär ergebnisorientierter Kollege der mehr am Wie des Jagens interessierten Göttin Artemis) weiterging, ist, verglichen mit diesem fulminanten Start ins Leben, eher banal. Das Übliche eben: viel töten, ein bisschen vergewaltigen, ein ständiger Wechsel zwischen Austeilen-Dürfen und Einstecken-Müssen. Und am Ende wurde er entweder von Artemis aus Versehen erschossen oder von einem hochgiftigen Skorpion gestochen – es gibt dazu erstaunlich viele, einander widersprechende Aussagen. Die Zahl derer, die ein Interesse daran hatten, Orion in den Hades zu schicken, scheint relativ groß gewesen zu sein.

Das mit dem Hades wurde dann aber doch nichts. In den Himmel kam Orion zwar auch nicht, dafür bekanntermaßen an den Himmel. Warum gerade ihm die Ehre zuteil wurde, als Sternbild zu enden und damit nicht ein für allemal, sondern (im Winter zumindest) jede Nacht erneut einen Abgang zu machen, lässt sich schwer sagen. Nicht nur Gottes Wege sind unergründlich, sondern auch die der Götter. Vielleicht kam man im Olymp zu dem Schluss, ein so spektakulärer Anfang verlange nach einem Ende, das etwas von einem Abschluss-Feuerwerk hat. Wer auf die Welt gepinkelt wurde, darf offenbar damit rechnen, dass er zuletzt an den Himmel gesternt wird.

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