Ein mit dem Ende den Anfang machender grober Bericht über gröbste Schandtaten

Schließlich verwandelte Zeus, um der Sache ein Ende zu machen, die eine der beiden Schwestern in eine Nachtigall und die andere in eine Schwalbe, ihren Verfolger Tereus aber in einen Wiedehopf. Warum war Tereus mit gezogenem Schwert hinter den Weibsbildern her gewesen? Weil Philomela ihm den Kopf seines Sohns Itys zugeworfen und dabei gerufen hatte, hier sei noch der Rest vom Dionysos-Fest, die meisten der genießbaren Teile habe er ja schon brav aufgegessen.

Sohn Itys musste dran glauben, weil seine Mutter Prokne in ihm nur noch den Vater sah, auf den sie, gelinde gesagt, nicht gut zu sprechen war. Denn er hatte nicht nur zu Beginn ihrer Ehe regelmäßig sie selbst, sondern kürzlich auch mehrfach ihre Schwester Philomela vergewaltigt. Für den Sohn des Kriegsgotts Ares war das nur die im väterlichen Zweig der Familie übliche Art und Weise gewesen, mit dem anderen Geschlecht geschlechtlich zu verkehren.

Prokne, die spätere Mutter seines Sohns Itys, hatte Tereus geheiratet, weil sie ihm von deren Vater Pandion als Lohn für geleistete Kriegsdienste überlassen worden war. Und Philomela hatte er vor ein paar Wochen entführt und an einem geheimem Ort gefangen gehalten, nachdem sie bei ihrer psychisch angeschlagenen Schwester Prokne zu Besuch gewesen war. Obwohl Tereus ihr die Zunge abgeschnitten hatte, fand Philomela einen Weg, ihre Schwester wissen zu lassen, wo sie sich aufhielt und was ihr widerfahren war.

Denn eine verschlüsselte Nachricht, die Philomela in ein Gewand, welches sie ihrer Schwester durch eine Sklavin zukommen ließ, hineingeschneidert hatte, informierte Prokne über die groben Verfehlungen ihres Ehemanns und darüber, wo sie festgehalten wurde. Im bacchantischen Drunter und Drüber eines Dionysos-Fests kam es nach Philomelas Befreiung dann zu dem, wovon am Anfang bereits die Rede gewesen ist.