Aineias als Pontifex Primus

Wenn es eine Brücke zwischen der griechischen und der römischen Mythologie gibt, so ist Aeneas alias Aineias derjenige, der sie in Begleitung seines Vaters Anchises und seines Sohns Askanios als erster betreten und überschritten hat. Falls man nicht sogar so weit gehen will zu sagen, dass Aineias selbst der Pontifex, also der Erbauer jener Brücke gewesen ist, über die dann nicht nur er selbst, sondern auch das olympische Personal zu gehen hatte, um vom griechisch zum römisch benannten obskuren Objekt der religiösen Routinen zu konvertieren.

Auf der römischen Seite angelangt, hieß Aineias‘ Mutter nicht mehr Aphrodite, sondern Venus, seinen Sohn nannte Aeneas fortan Ascanius und sich selbst nicht mehr Aineias, sondern Aeneas. Auch stammte er nicht mehr von Zeus, sondern von Jupiter ab. Und es war nicht mehr Hera, vor der sich die Exil-Trojaner unter Aeneas‘ Führung in Acht nehmen mussten, sondern Juno. Auch wenn es vor Beginn des Trojanischen Kriegs nicht Juno gewesen war, welcher der Trojaner Paris den goldenen Schönheits-Apfel nicht gegeben hatte, sondern Hera. Allein Aineias‘ oder Aeneas‘ Vater Anchises blieb nach wie vor Anchises. Aber der war ja ein Sterblicher durch und durch, woran auch der Umstand nichts änderte, dass sich Aphrodite alias Juno vorübergehend unsterblich in den schönen Hirten verliebt hatte.